Im Jahr 2017 verdienen Frauen in Deutschland noch immer viel weniger als ihre männlichen Kollegen. Im Wahlkampf wurde die Problematik der Lohnungleichheit und -ungerechtigkeit nur vom Herausforderer Martin Schulz aufgeworfen. Doch auch zu diesem sozialen Problem gab es keine breite gesellschaftliche Debatte.

Wie bei wohl jeder Statistik gibt es auch bei der Verdienstlücke zwischen Frauen und Männern unterschiedliche Zahlen. Betrachten wir die Lohndifferenz zwischen den Geschlechtern anhand des durchschnittlichen Bruttostundenlohns, ergibt sich eine Differenz von erschreckenden 21%. Rechnet man allerdings heraus, dass Frauen häufiger in niedrig bezahlten Berufsfeldern arbeiten als Männer und umgekehrt Männer noch immer weitaus häufiger in gutbezahlten Führungspositionen vertreten sind als Frauen, so verringert sich die Lohndifferenz zwischen einem Mann und einer Frau auf 6%, wenn man die geschlechterspezifischen Löhne bei gleicher Arbeit betrachtet.

Im Vergleich zu den auch von Martin Schulz benutzten 21%, klingt eine Lohndifferenz von 6% nicht allzu hoch. Doch auf einen Bruttolohn von 2000 Euro sind 6% weniger Lohn bei gleicher Arbeitszeit und gleicher Qualifikation noch immer 120 Euro weniger im Monat. Im Jahr sind das schon 1440 Euro Unterschied.

So sind in Deutschland ein Drittel aller Alleinerziehenden von Armut bedroht. Alleinerziehende Mütter machen mit 90% den Großteil der Alleinerziehenden insgesamt aus, sodass sie das Problem der drohenden Armut besonders häufig trifft. Und diese Armut bedeutet nicht, dass die alleinerziehenden Mütter nicht in den Urlaub fahren könnten, sondern dass sie gerade mal die Grundbedürfnisse für sich und ihr(e) Kind(er) decken können.

Der gleiche Zusammenhang gilt bei der Problematik der Altersarmut. Frauen, die über Jahrzehnte 6 bis 21% weniger Lohn bekommen als Männer haben auch eine viel schlechtere gesetzliche Altersversorgung und verfügen über weitaus geringere Mittel privat vorzusorgen. In einer Lebenswelt, in der der Mann als alleiniger Versorger schon lange nicht mehr aktuell ist, wird dieser Zusammenhang zwischen Lohndifferenz und (zukünftiger) Armut im Alter umso brisanter….

Männersteuer oder Frauenrabatt

Um das Problem der Lohndifferenz zu veranschaulichen, sind zwei Gedankenexperimente zu empfehlen.

Man stelle sich einerseits vor, Frauen dürften an jeder Supermarktkasse, im Kino oder im Restaurant einen Rabatt von 6% auf ihren Einkauf einfordern. Was für eine abwegige Vorstellung könnte man denken. Doch die Lohndifferenz von 6% bei gleicher Arbeit und gleicher Qualifikation bedeutet nichts weniger, als das Frauen 6% weniger an Einkommen zur Verfügung haben.

Oder um es mit einem zweiten Gedankenexperiment zu veranschaulichen: Männer müssten eine 6-prozentige Männersteuer zahlen, um diese Lohndifferenz auszugleichen. Und diese Steuer dürfte nicht der Allgemeinheit zugutekommen, sondern den Unternehmen, die sich bei den weiblichen Angestellten diese 6% sparen (dürfen). Auch bei diesem Gedankenexperiment schüttelt man unweigerlich mit dem Kopf. Doch die Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern, die nichts anderes ist, als eine Subventionierung von Arbeitgebern auf Kosten der Frauen, halten wir gleichzeitig nicht für abwegig, sondern nehmen sie sogar achselzuckend hin.

 

Dies ist ein gekürzter Artikel, der gestern auf Telepolis erschien und dort kostenfrei abgerufen werden kann: klick hier.

In eigener Sache: Einigen Lesern wird aufgefallen sein, dass ich in letzter Zeit nur noch gekürzte Artikel hochlade. Das liegt daran, dass ich meine Texte mittlerweile Publikationen mit größerer Reichweite (beispielsweise Makroskop und Telepolis) zur Verfügung stelle. Die Motivation dahinter: Diese Publikationen erreichen mehr Menschen. Da sie ihre Angebote allerdings auch finanzieren müssen (Technik, Redakteure usw.) wurde ich gebeten, meinte Texte hier nur noch in Auszügen hochzuladen. Ich finde das durchaus verständlich. Auch progressive Kritik an den bestehenden Verhältnissen und Zuständen muss sich (leider) dem System der Marktwirtschaft unterordnen und kann seine Angebote nicht kostenfrei zur Verfügung stellen oder kostenfrei „produzieren“. Ich hoffe, Sie und ihr haltet Zebralogs trotzdem die Treue. In Zukunft werden auch wieder Pressespiegel, Kommentare und Verlinkungen zu aktuellen Dokumentationen und Reportagen und eventuell auch wieder „Stimmen aus Afrika“ aufgegriffen.

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