Finanzinvestoren entdecken die Pflegebranche als lukratives Investment. Letzten Sommer überlegte Jens Spahn ihre zweistelligen Renditen gesetzlich zu begrenzen. Heute äußert sich sein Ministerium nicht mehr dazu.

Die meisten der Firmenkäufe privater Beteiligungsfonds fanden 2017 im Gesundheitssektor statt, so belegen es die Zahlen des von der arbeitnehmernahen Hans-Böckler-Stiftung veröffentlichten Private Equity Monitor 2018.

Private Beteiligungsgesellschaften veröffentlichen ihre Renditezahlen gemeinhin nicht nach Sektoren aufgeschlüsselt. Dementsprechend kann nicht direkt überprüft werden, wie hoch die von Finanzinvestoren im Gesundheitssektor erzielten Renditen sind. Laut den Unternehmensberatern von McKinsey stellt der Gesundheitssektor jedoch eine „einmalige Gelegenheit“ für Investitionen dar. Es winke eine Rendite von 13 bis 15 Prozent. Der Gesundheitssektor „übertreffe“ damit alle anderen Sektoren, so McKinsey. Man kann mit alten und kranken Menschen also ein klasse Geschäft machen.

Gesundheitsminister Jens Spahn könnte die undurchsichtige Situation um die Profite sowie Sozialleistungen und Qualität von Pflegeheimen im Besitz privater Beteiligungsfonds aufklären. Im Sommer 2018 sagte er in einem Interview mit der Zeit, zweistellige Renditen im Pflegesektor entsprächen „nicht der Idee einer sozialen Pflegeversicherung“. „Man könnte versuchen, die Rendite zu begrenzen“. Später bekräftigte er diese Idee. Er halte eine Regulierung in Bereichen für denkbar, in denen „sehr hohe Gewinne fast nur durch vorsätzliches Absenken der Versorgungsqualität zustande kommen können“. Vorsorglich fügte er hinzu, das seien keine „Enteignungsfantasien“.

Spahn jedenfalls hatte 2018 angekündigt, sich „sehr genau anzuschauen, was auf dem Pflegemarkt passiert“. Sein Ministerium trifft gegenwärtig, auch nach mehrmaliger Nachfrage, keine Aussage über die Ergebnisse dieser Analyse. Gerade in einem so sensiblen Bereich wie der Pflege aber wäre es wichtig, die Aktivitäten und Beteiligungen privater Finanzinvestoren endlich transparenter zu machen.

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