Jeff Bezos, Gründer und Chef von Amazon, ist laut Forbes-Liste der reichste Mensch der Welt. Sein Aufstieg im Ranking der Reichsten steht sinnbildlich für die Auswüchse des globalen Kapitalismus.

Ver.di ist nicht gut auf Amazon und Jeff Bezos zu sprechen. An seinem Aufstieg zum reichsten Menschen des Planeten werde deutlich „wie sich ein Mann auf Kosten anderer Menschen bereichert: den Beschäftigten werden gerechte Löhne und Tarifverträge verweigert, Steuerhinterziehern bietet Amazon eine Verkaufs-Plattform und das Unternehmen selbst ist nicht nur das größte Online-Kaufhaus, sondern auch einer der weltweit größten Steuervermeider.“

Mit einem geschätzten Vermögen von 112 Milliarden US-Dollar (90 Mrd. Euro) hat Jeff Bezos Bill Gates übertroffen und als erster Mensch überhaupt die 100 Milliarden-Dollar Marke geknackt. Bezos Reichtum basiert vor allem auf dem steigenden Aktienkurs von Amazon (siehe den nahezu parallelen Anstieg hier), der seit Januar 2015 rasant ansteigt und sich seit dem Börsengang 1997 fast verzwölffacht hat.

Kontrolle und Ausbeutung

Amazons Erfolg basiert vor allem auf Effizienz und Kontrolle. Arbeitsabläufe und Arbeiter werden kontinuierlich überwacht. Wird langsamer gearbeitet als vom System vorgegeben, erhalten die Arbeiter eine ermahnende Kurznachricht auf ihren Warenscanner. Liegt ihre Arbeitsleistung unter dem Durchschnitt, werden einzelne Arbeiter und Teams dazu befragt und somit unter Druck gesetzt. Daten werden nicht nur über Kunden, sondern auch über Mitarbeiter gesammelt: wer ist zu oft krank, wer geht früher nach Hause und wer antwortet spät auf E-Mails.

Auch bei der Auswahl neuer Standorte folgt Amazon einem klaren System. Neue Logistikzentren werden bevorzugt an Standorten mit hoher Langzeitarbeitslosigkeit eröffnet. So steht eine Reservearmee bereit, falls Angestellte dem Druck und der Überwachung nicht standhalten. Weil Tarifverhandlungen seit Jahren umgangen werden, muss sich der Konzern weder an Tariflöhne halten noch feste Urlaubs- und Weihnachtsgelder zahlen.

Diese Systematik der Ausbeutung beschränkt sich nicht nur auf die Logistikzentren. Der Erfolg des Online-Handels beruht zu einem großen Teil auf der Ausbeutung von Paketboten. Denn Anbieter wie DPD und Hermes setzen komplett auf Subunternehmer. Deren Paketboten arbeiten nicht selten 60 bis 70 Stunden die Woche, wodurch sich ihr Stundenlohn auf 5 bis 6 Euro verringert. Immer häufiger werden auch Paketboten aus Osteuropa angestellt, die ihre Rechte nicht kennen.

So verschlechtern sich Arbeitsbedingungen und Löhne bei der Deutschen Post / DHL zusehends. Paketboten, die vor 2001 angestellt wurden, verdienen noch am besten. Ihre jüngeren Kollegen sind schlechter gestellt. Angestellte, die ab 2015 in den Betrieb kamen, werden bei DHL zu einem Tarif deutlich unter dem Haustarif der Post vergütet (hier).

Die Zustellfirmen winden sich mithilfe der Subunternehmen aus der Verantwortung. Werden schlechte Löhne gezahlt oder dutzende Überstunden verlangt, so liegt dies – laut Zustellfirmen – in der Verantwortung der Subunternehmen. Das führt dazu, dass ausländische Fahrer teilweise nur 400 bis 600 Euro im Monat verdienen (hier).

Doch Amazon ist bereits einen Schritt weiter. Für die Paketzustellung gibt es seit 2015 den Dienst Amazon Flex, der jetzt nach Deutschland ausgedehnt wird. In Berlin werden bereits Zusteller gesucht – genauer: Privatpersonen statt Angestellte als Paketboten. Über eine App können sie sich für vierstündige Lieferschichten an 6 Tagen die Woche eintragen. Ein Algorithmus teilt der Abrufarmee über diese App die Zeitblöcke mit, in denen es Arbeit gibt. Geliefert wird natürlich alles im Privatauto (hier), Amazon kann sich die Kosten für Wartung und Versicherung der Zustellfahrzeuge sparen. Das ist die Uberisierung des Paketgeschäfts. Flexibilität, unsichere Einkünfte und Risiko werden zur Sache der privaten Paketzusteller.

Auf Kosten der Staaten

Nur konsequent ist es da, dass Amazons Geschäftsmodell nicht nur auf der Ausbeutung oder dem Outsourcing von Arbeit beruht, sondern auch auf Steuervermeidung im großen Stil.

Mithilfe von Briefkastenfirmen in Luxemburg wurden zwischen 2006 und 2014 auf drei Viertel des Gewinns keine Steuern gezahlt. Über diese „Tochterfirmen“ haben die europäischen Niederlassungen von Amazon Rechte am geistigen Eigentum Amazons (Namen, Logo etc.) gekauft. Indem Gewinne aus ganz Europa künstlich nach Luxemburg geschleust wurden, sind weniger Gewinnsteuern in Europa und gar keine in Luxemburg fällig (hier).

Auf diese Weise hat sich Amazon Steuervorteile von 250 Millionen Euro erschlichen. Und während Einzelhändler in Innenstädten auch Körperschaftsteuer und mitunter auch Gewerbesteuer zahlen müssen, hat Amazon auch in diesen Bereichen große Vorteile gegenüber der physischen Konkurrenz.

Wie viele multinationale Konzerne spielt auch Amazon Staaten im Standortwettbewerb gegeneinander aus. Das gilt auch für die US-Bundesstaaten. Zwar ist noch nicht bekannt, welche Vergünstigungen Georgia Amazon für den Bau seines zweiten US-Hauptquartiers konkret versprochen hat. Aber die New York Times geht davon aus, dass es sich um ein milliardenschweres Paket aus jahrelangen Steuererleichterungen und Subventionen handeln wird.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Makroskop.eu.

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