Auf einer von AfricAvenir organisierten Podiumsdiskussion berichten Smockey, Sams‘K Le Jah (beide führende Köpfe von Balai Citoyen) und Moussa Diallo (Gewerkschafter) über den Stand der Revolution in Burkina Faso. Sie diskutierten mit Wissenschaftlern und Journalisten über die Herausforderungen vor denen das Land nun steht. Grundtenor: Der Sturz des Langzeitherrschers Blaise Compaoré (27 Jahre an der Macht) sei zwar ein großer Erfolg. Allerdings sei es genauso schwierig, etwas Neues aufzubauen und die Lebensumstände der Menschen zu verbessern – vor allem in Zeiten der Globalisierung. Die Burkinabe stehen vor immensen politischen, aber auch wirtschaftlichen Herausforderungen.

Geister der Vergangenheit

Die Kräfte und Strukturen, die das alte Regime aufrecht erhalten haben, seien noch nicht komplett überwunden worden, so die Diskutanten. Diese Problematik wurde schon beim Putsch der Präsidentengarde Ende September deutlich. Der Putsch wurde zwar zurückgeschlagen und die Garde aufgelöst. Die Diskutanten betonten allerdings, dass die Strukturen der Korruption und Patronage weiter fortbestünden. Die Referenten sehen die Gefahr, dass die neue Regierung und das neue Parlament die negativen Eigenschaften ihrer Vorgänger übernehmen könnten. Deshalb fordern sie, der Straffreiheit korrupter politischer Eliten ein Ende zu setzen. Dies ist ein erster Schritt, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Ebenso könne eine Justiz, die auch vor hohen Namen nicht Halt macht, zukünftige Entscheidungsträger unter Kontrolle halten.

Ein Problem bestehe auch darin, dass die Bevölkerung lieber „starke Männer“ wähle, statt eines politischen Programms. Dieses Problem wird aller Voraussicht nach dadurch verstärkt, dass die revolutionsleitende Bürgerbewegung (Balai Citoyen) sich nicht zur Wahl stellt. Vielmehr möchte sie das politische System weiter von außen kontrollieren und als Gegengewicht zu den politischen Eliten fungieren.

Lebenssituation der Menschen verbessern

Eine weitere Herausforderung sei die wirtschaftliche und soziale Situation der Menschen. Die Diskutanten stellten die Frage, was getan werden könne, damit die Menschen wieder von ihrer Arbeit leben können. Dazu bedürfe es Reformen im Bildungs- und Gesundheitssystem. Doch da Burkina Faso ein kleines Land ist, sei es laut Referenten auf Hilfe von außen angewiesen. Diese Hilfe könne zu Abhängigkeiten und negativer Einflussnahme führen. Hier sahen die Referenten Burkina Faso in einer Zwickmühle zwischen der Abhängigkeit von außen und dem Wunsch, einen eigenen, von externen Kräften unabhängigen Entwicklungsweg zu bestreiten. Ein Ausweg aus dieser Zwickmühle könnten höhere Beteiligungen an Rohstoffeinnahmen sein, wie von den Diskutanten gefordert.

Hohe Erwartungshaltung der Bevölkerung

Entscheidend für den langfristigen Erfolg der Revolution werde schließlich auch sein, inwiefern die hohe Erwartungshaltung der Bevölkerung nach schnellem Fortschritt erfüllt werden kann. Der neue Präsident wird sofort unter Druck stehen – so die Referenten. Gleichzeitig sei aber auch die Zivilgesellschaft gefordert, den Wandel zu moderieren. Inwiefern es dabei gelingen wird, verfeindete politische Lager zu einen und Burkina Faso gemeinsam voran zu bringen, ist eine offene und umso spannendere Frage.

Folgende Referenten nahmen an der Diskussion teil:

Smockey (Musiker, Balai Citoyen), Sams‘K Le Jah (Musiker, Balai Citoyen), Francis Kpatindé (Science-Po Paris, UN-Berater und freier Journalist), Moussa Diallo (Confédération générale du travail du Burkina, CGT-B), Bruno Jaffré (Biograf Sankaras), David Gakunzi (Sankara-Experte), Aziz Fall (Politologe), Patrice Taraoré (Musiker, Balai Citoyen)

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