Der freie Markt und die Demokratie waren die Grundbausteine für den wirtschaftlichen Erfolg des Westens. Sie haben in den USA und anderen westlichen Staaten zu allgemeinem Wohlstand beigetragen und Millionen Menschen aus der Armut befreit – so jedenfalls Dambisa Moyo. Und dennoch hinterfragt die Ökonomin aus Sambia in ihrem sehr kontroversen TED-Talk, ob das Modell des freien Marktes, der liberalen Demokratie und der politischen Rechte als Entwicklungsvorbild für aufstrebende Staaten gelten kann.

Moyo sagt, wenn man von einem Dollar am Tag leben muss, sei man viel zu sehr damit beschäftigt, zu überleben und seine Familie zu versorgen, als die Demokratie zu verteidigen. Sie betont, es gäbe eine Kluft zwischen dem, was wir im Westen in Bezug auf Politik und Wirtschaft denken und dem, woran Menschen im Rest der Welt glauben. Die Menschen in den Ländern des globalen Südens seien eher daran interessiert ob und wie ihre Regierungen zur Bekämpfung der Armut und der Schaffung von Chancen beitragen, als daran, ob ihre Politiker demokratisch gewählt seien.

Moyo stellt die Frage, ob China mit seinem Staatskapitalismus, der geringeren Bedeutung der liberalen Demokratie und der Priorität von wirtschaftlichen vor politischen Rechten nicht ein besseres Vorbild für aufstrebende Länder sei als es die westlichen Länder sind. China habe 300 Millionen Menschen aus der Armut befreit. Und immer mehr Menschen in „Entwicklungs-“ und Schwellenländern würden deswegen bezweifeln, ob die Demokratie eine Grundvoraussetzung für Armutsminderung und Wirtschaftsentwicklung sei.

Die Frage, die sich für den Westen stellt, sei laut Moyo: Was soll der Westen tun? Wie können die politischen Werte und die individuellen Rechte der Demokratie zu mehr Armutsminderung und Wirtschaftsentwicklung in aufstrebenden Nationen beitragen? Ihre Antwort: Das mit der westlichen Demokratie verbundene Wirtschaftssystem müsse reformiert werden. Der Westen dürfe aufstrebenden Nationen nicht mehr das System des freien Marktes aufdrängen, sondern müsse ihnen Freiraum geben, mit eigenen politischen und wirtschaftlichen Systemen zu experimentieren.

Moyo wirft mit ihrem Vortrag viele interessante Fragen auf und regt dazu an, unsere westliche Brille abzunehmen und aufgeschlossen sowohl über die Vor- und Nachteile des „alten“ westlichen Entwicklungsmodells als auch des chinesischen Entwicklungswegs nachzudenken. Leider bleibt sie dabei selbst etwas vage. So hinterfragt sie nicht, ob China sich nicht auch über den „ungleichen Tausch“ mit afrikanischen Rohstoffproduzenten entwickelt hat und welchen Preis chinesische Dissidenten und die Umwelt zahlen.

In eigener Sache: Falls jemand von euch eine afrikanische Plattform kennt, die TED-ähnliche Vorträge anbietet und dabei die afrikanische Perspektive noch stärker betont, würde ich mich über einen Link freuen!

Hier geht es zum Vortrag von Dambisa Moyo (deutsche Untertitel: Rädchen rechts unten anklicken → Untertitel einstellen):

 

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