Wir fragen uns häufig, warum „Afrika“ sich nicht „entwickelt“. Warum es keinen dauerhaften Weg aus der Armut zu geben scheint. Auf diese Fragen gibt es immer wieder die gleichen Antworten: Die Politiker seien zu korrupt, die Schulden würden Afrikas Entwicklung behindern und es gäbe zu wenige Mikrokredite für afrikanische UnternehmerInnen. Aber kaum jemand hört sich die Geschichten von afrikanischen UnternehmerInnen an. Dabei sind es die Akteure, die vor Ort Arbeitsplätze und somit Wohlstand schaffen könnten (s. hier) und die die wirklichen Hindernisse wirtschaftlicher Entwicklung aufzählen können. Ich möchte hier die Unternehmerin Monica Katebe aus Sambia zu Wort kommen lassen. Sie berichtet von den vielfältigen Hindernissen, denen einheimische UnternehmerInnen in vielen Ländern Afrikas gegenüberstehen.

Katebe entschloss sich, eine vielversprechende Karriere aufzugeben und es als Unternehmerin in Sambia zu versuchen. Ihre Ziele waren, ihren Teil zur Entwicklung des Landes beizutragen und – da ist sie ganz ehrlich – dabei auch Geld zu verdienen. Zwar berichtet auch Katebe von vereinzelten Schmiergeldzahlungen für sambische Polizisten. Doch sie betont vor allem andere Probleme. So sei der Marktzugang ein großes Problem. Supermärkte oder anderen Einzelhändler vertrauen eher ausländischen Marken und bevorzugen diese vor sambischen Produzenten. Auch der Zugang zu Krediten sei problematisch. Denn sambische Unternehmen, die Kredite zu 30 bis 40% Zinsen aufnehmen müssen, haben keine Chance gegen ausländische Konkurrenten zu bestehen, die einen viel einfacheren Zugang zu Krediten haben (1). Darüber hinaus sagt Katebe, dass es für kleine Unternehmen (und meist sind die einheimischen Unternehmen klein) schwierig ist, Zugang zu Unternehmernetzwerken zu finden. Ebenso fehlt in Ländern wie Sambia eine „kritische Masse von Unternehmen“. Das hat zur Folge, dass die wenigen bestehenden einheimischen Unternehmen von den Konsumenten und häufig auch den Regierungen geringgeschätzt werden.

Zwar schaffte es Katebe, ihre Marke in Sambia zu etablieren und sie endet ihren Vortrag auch sehr optimistisch. Doch ihr Beispiel einer gut ausgebildeten, ehemaligen Unternehmensanwältin, belegt die Herausforderungen, denen viele afrikanische UnternehmerInnen gegenüberstehen. Ihre Hinweise auf:

  • die ausländische Konkurrenz etablierter und somit wettbewerbsfähigerer Unternehmen,
  • die hohen Kreditzinsen,
  • und die starken Wechselkursschwankungen, die die Planung erschweren und an den Finanzen zerren,

sind Belege dafür, dass freie Märkte, freie Wechselkurse und die globale Konkurrenz Entwicklungschancen afrikanischer Unternehmer verbauen. Die von Katebe genannten Hindernisse laufen auch den Grundannahmen der meisten Entwicklungskonzepte zuwieder. Denn sowohl die Konzepte von Weltbank, IWF, als auch der meisten Geber-Nationen beruhen auf der Überzeugung, dass freie Märkte, freie Wechselkurse und die globale Konkurrenz, die Innovationskraft afrikanischer Unternehmen anregen und sie wettbewerbsfähiger machen.

Wie schon in meinem Bericht über die Freihandelsabkommen zwischen der EU und Afrika (hier und hier), wird erneut deutlich, dass ein durch Industriepolitik und die Vergabe von fair verzinsten Krediten steuernder Staat diese Herausforderungen zumindest verringern kann und somit „Entwicklungsperspektiven“ in den afrikanischen Ländern eröffnen würde. Und die sambische Regierung (und auch andere) haben das teilweise schon erkannt und fördern einheimische Unternehmen bspw. indem diese einen besseren Zugang zu den Einzelhändlern erhalten – so berichtet Katebe.

Wenn das Gerede von der Überwindung der Fluchtursachen keine leeren Worte bleiben soll, dann sollten die europäischen Staaten die afrikanischen Länder in diesen Bemühungen unterstützen und afrikanischen Staaten eine zeitweise Abkehr vom freien Weltmarkt und der globalen Konkurrenz ermöglichen (zu den Alternativen siehe hier).

Hier geht es zum TED-Talk:

(1) Und die Situation ist in vielen afrikanischen Ländern ähnlich. Zu betonen ist, dass die „Kreditklemme“ nicht durch Mikrokredite überwunden werden kann. Denn UnternehmerInnen wie Katebe brauchen größere Summen, um in ihr Unternehmen investieren zu können (siehe hier).

Zu den anderen „Stimmen aus Afrika“:

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